RWANDA - wir haben dich nicht vergessen!
Im vergangenen November reiste Ruth mit drei Frauen aus der schweiz. Frauenfrühstücksarbeit nach Ruanda. Ziel des gut zweiwöchigen Einsatzes war es, eine Frauengruppe zum Starten von Frauenfrühstücken zu motivieren, zu schulen und zu unterstützen.
Wie haben sie die Rolle der Frau in Rwanda wahrgenommen?
Es sind die Frauen, welche die Felder von Hand bestellen, die Kinder versorgen, den Haushalt führen. Je mehr stadteinwärts wir fahren, umso mehr beobachten wir, wie die Männer an den Strassen stehen und nichts tun. Es ist nicht verwunderlich, dass die Kinder fast verwahrlost wirken, wenn die Mütter auf sich selbst gestellt, fürs nackte Überleben für sich und ihre Kinder arbeiten müssen.
Wie geht es den Kindern in Rwanda?
Ich war erstaunt, als ich sah, wie schlecht die Kinder betreut sind. Als Säuglinge trägt sie die Mutter in einem Tuch umgebunden am Körper und verrichtet dazu ihre Feldarbeit. Sobald die Kinder laufen können, sind sie auf sich selbst gestellt und sitzen alleine oder in Gruppen scheinbar verwahrlost herum. In den Städten gehen die Frauen einer bezahlten Arbeit nach. Die meist zahlreichen Kinder werden den finanziellen Verhältnissen entsprechend von Hausangestellten oder auch gar nicht betreut.
Anlässlich einer Einladung zum Abendessen im Hause einer gebildeten Ruandesin erlebten wir diese Realität: Die Frau kam spät von der Arbeit nach Hause, ging in die Küche, um die Küchenmannschaft zu instruieren und setzte sich anschliessen mit ihrem Mann zu uns an den Tisch. Die fünf Kinder blieben im Hintergrund und assen auch in der Küche. Haben diese Frauen noch Zeit für ihre Kinder? Wir verliessen dieses Haus bedrückt und traurig.
Was habt ihr mit dieser Feststellung gemacht?
Diese Not war Bibiche schon bewusst. Sie lud im Vorfeld viele Frauen aus städtischen und ländlichen Gegenden zu einem mehrtägigen Treffen ein. Es kamen gebildete, berufstätige Frauen und sehr arme, von denen viele über 20 km gemeinsam mit ein paar Kleinkindern zurückgelegt hatten. Meine Kolleginnen hatten schon vor der Reise Vorträge zum Thema Kindererziehung, Mutterliebe (Gottesliebe) und Selbstwert (Hagar: Du bist der Gott, der mich sieht!) vorbereitet. Wir stellten fest, dass die Frauen sehr offen dafür waren. Ich staunte, wie sie dieses Manko selbst spürten und erlebten, dass sie sich sehr gut selbst reflektierten und diesen Wunsch nach einer tieferen Beziehung zu ihren Kindern erfüllen wollten. Ich habe erlebt, wie wir alle, ob Mutter in Afrika oder in der Schweiz, an den gleichen Themen nagen und uns nach Veränderung sehnen.
Was hat ihnen dieser Kurzzeiteinsatz in Rwanda persönlich gebracht?
Bei diesen Treffen mit den Frauen erlebte ich, dass sie manchmal mit einem völlig hoffnungslosen Gesichtsausdruck ankamen. Sobald sie durch Bibiche mit einem „Halleluja“, einem kleinen Gebet, Bibelvers oder Input begrüsst wurden, begannen viele Gott anzubeten und ihn zu preisen.
Bibishe könnte selbst traurig sein, weil ihr Sohn mit Malaria im Spital liegt, oder müde sein, weil sie nachts mit jemandem gebetet hatte. Trotz dieser Umstände nimmt sie sich Zeit zum Lobpreis und zur Anbetung. Das begeistert mich!
Das ist ihre Form von Anbetung. Sie fokussieren sich auf Gott, egal in welchen Umständen sie sich befinden. Das will ich für mich persönlich übernehmen.
Was hat sie zu diesem Kurzzeiteinsatz in Rwanda bewogen?
Nachdem ich gehört hatte, dass noch eine Begleitperson gesucht würde, meldetet ich mich zum Einsatz. Ich verspürte grossen Respekt vor den Menschen mit einer grauenhaften Vergangenheit und gleichzeitig fühlte ich eine starke Verbundenheit mit meinen ruanderischen Geschwistern. Frauenfrühstücke sind eine ideale Möglichkeit, um Frauen aus entlegenen Gebieten aus der Isolation zu holen, Gemeinschaft mit andern Frauen zu ermöglichen, sie zu ermutigen, zu stärken und ihnen Selbstwert und Weiterbildung zu vermitteln. Bibiche und Emanuel Rutunda leisten eine gewaltige und wichtige Arbeit in Rwanda!
Der Einsatz in Afrika hat Ruth reich beschenkt: „Ich habe mich reich beschenkt gefühlt. Es war ein enorm starker Input für meine persönliche Beziehung zu Gott. Ich durfte sehen, mit was für einer Inbrunst sie beten, wie konkret und bewusst sie mit Gott leben, mit welchem Enthusiasmus sie auf Gebetserhörung warten. Ich durfte auch erleben, wie Bibiche und eine Freundin von ihr für mich zwei volle Stunden gebetet hatten, dadurch durfte ich Gott im Gebet nah sein und erleben wie wichtig es ist, sich dafür Zeit zu nehmen.
Ruth ist mit vielen offenen Fragen zurückgekehrt. Die Not unserer Geschwister führt uns ins Gebet: „Gott, begegne Du den Nöten und bringe du Hilfe, denn wir haben nicht genug für alle.“
